Das Alte gehen zu lassen, ist für viele Menschen eine der größten Herausforderungen. Vergleichbar mit einem Rucksack, wird eine Unmenge an Kram im Leben umhergeschleppt. Einerseits gibt es Sicherheit und Vertrauen, wenn wir uns an Sachen binden. Wir fühlen uns geborgen und beschützt. Andererseits definieren viele Menschen ihren Selbstwert über die Dinge, die sie besitzen. Sie können sich fragen, ob sie ihr Hab und Gut besitzen, oder ob sie davon schon besessen sind. Hier zeigt sich wieder wunderbar die Polarität der Dinge. Auf der Lichtseite befinden sich die Vorzüge, die wir durch unseren Besitzstand genießen und auf der Schattenseite zeigen sich schier unüberwindbar scheinende Hindernisse, wenn es darum geht, diese Dinge wieder loslassen zu müssen. Wunderbar ausgedrückt wird dies durch ein Zitat von Friedrich Schiller:

“Nicht an die Güter hänge dein Herz,
die das Leben vergänglich zieren.
Denn wer besitzt, lerne verlieren,
und wer im Glück ist, lerne den Schmerz.”

Friedrich Schiller (1803)

So tritt schließlich immer das ein, was notwendig und nicht vermeidbar ist – die Veränderung. Dies bedeutet, dass wir zwangsläufig etwas gehen lassen müssen, damit etwas Neues in unser Leben treten kann. Wir müssen Raum schaffen. Das heißt, dass der Inhalt unseres Rucksackes einer Inspektion unterzogen werden darf. Wenn wir dann die alten Dinge identifiziert haben, dürfen wir ihnen gegenüber Dankbarkeit aufbringen, denn sie haben uns ein Stück in unserem Leben begleitet. Unabhängig davon, ob dieses Stück groß oder klein ist. Auch die vermeintlich “negativen” Dinge haben ihren Teil dazu beigetragen, dass wir zu dem Menschen geworden sind, der wir sind. Insbesondere, wenn Partnerschaften auseinander gehen, fällt dies oft schwer. Die Menschen, die uns begleiten, haben immer Einfluss auf das, was wir sind. Und wenn wir uns entscheiden, den Weg nicht mehr gemeinsam zu gehen, dann endet zwar ihr direkter Einfluss auf uns, doch wir haben uns gegenseitig geformt und an die Stelle gebracht, wo wir stehen. An dieser Stelle mag es für viele Menschen paradox klingen, doch wir können unseren ehemaligen Partnern tiefe Dankbarkeit entgegenbringen, denn ohne sie, hätten wir die notwendige und oft heilsame Veränderung nicht erfahren.

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